Ursprung und Konzept: Vom SciroccoNachfolger zum eigenständigen Sportcoupé

Die Entwicklung des Corrado begann bereits 1981 unter dem internen Entwicklungsauftrag EA 494. Ursprünglich sollte er den Scirocco II ablösen und technisch auf dem Golf II aufbauen.

Doch während der Entwicklungsphase verschob sich die Positionierung :

Der Corrado wurde zu einem höherwertigen, technisch anspruchsvolleren Sportcoupé entwickelt, sodass der Scirocco II letztlich bis 1992 parallel weitergebaut wurde. Die Produktion des Corrado übernahm , wie beim Scirocco , die Firma Karmann in Osnabrück, die für hochwertige Fertigung bekannt war.

Als der Corrado im Herbst 1988 vorgestellt wurde, präsentierte er sich als kompaktes, dynamisch gezeichnetes 2+2Coupé. Besonders hervorzuheben war der automatisch ausfahrende Heckspoiler, der bei über 120 km/h ausfuhr und den Auftrieb an der Hinterachse um bis zu 64 % reduzieren sollte ; ein technisches Detail, das seiner Zeit voraus war.

Gleichzeitig bot das Coupé mit seiner großen Heckklappe und einem Kofferraumvolumen von 300 Litern auch einen überraschend hohen Alltagsnutzen.

Der Weg zum VR6: Technische Neuausrichtung ab Modelljahr 1992

Während der Corrado in seinen frühen Jahren mit dem G60Kompressormotor und später zusätzlich mit 16VAggregaten angeboten wurde, erfolgte der entscheidende Technologiesprung im Modelljahr 1992 : die Einführung des VR6Motors.

Um den kompakten, aber breiten Sechszylinderquermotor unterzubringen, musste VW tiefgreifende Änderungen am Fahrzeug vornehmen:

• Neukonstruktion des vorderen Querträgers,

• Verbreiterte Kotflügel,

• Neue, weiter nach vorne gezogene Scheinwerfer,

• Geänderte Motorhaube mit charakteristischer Wölbung („Power-Dome“),

• Überarbeitete Frontschürze und Grill,

• 70LiterTank (statt 55 l),

• Kofferraumverkleinerung auf 235 l,

• Einführung des PLUS-Fahrwerks, abgestimmt auf die höhere Motorleistung und Masse.

Mit der VR6Einführung stieg der Corrado endgültig in eine höhere Fahrzeugklasse auf und wurde zu einem der technisch anspruchsvollsten Modelle im VWProgramm.

Der VR6 im Detail: Technik, Leistung und Charakter

  1. Motorbeschreibung

    Der VR6 (Motorcode ABV) im Corrado war ein 2,9LiterSechszylinder mit 190 PS.

  2. Technische Daten

    Hubraum: 2.861 cm³

    Leistung: 190 PS @ 5800 U/min

    Drehmoment: 245 Nm @ 4200 U/min

    Getriebe: 5Gang-Schaltgetriebe

  3. Motorleistung

    0–100 km/h: 6,9 s

    Vmax: 235 km/h

    Leergewicht: ca. 1.260–1.285 kg

Die Innenraum- und Ausstattungsüberarbeitungen vor 1995

Vor dem Modelljahr 1995 hatte der Corrado eine wichtige Interieur-Modellpflege erhalten. Ab August 1992 wurde das Cockpit deutlich modernisiert:

• Überarbeitete Mittelkonsole

• Neue Türverkleidungen und Schalterplatzierungen

• Drehregler statt Schieberegler für die Heizung

• Neue Instrumententypografie mit roter Zeigerfarbe und CorradoSchriftzug im Drehzahlmesser

• Geteilte Rücksitzbank nun serienmäßig nur noch beim VR6

Damit war der Corrado im Modelljahr 1995 optisch und technisch vollständig modernisiert.

Das Modelljahr 1995: Die finale und ausgereifteste Version

Das Jahr 1995 markiert das Ende der CorradoProduktion – „Adiós, corredor!“, wie VW selbst schrieb. Der VR6 war zu diesem Zeitpunkt das Topmodell und repräsentierte die beste und ausgereifteste Entwicklungsstufe. Die Produktion wurde Mitte 1995 eingestellt, womit das Modelljahr 1995 das letzte volle Modelljahr der Baureihe darstellt.

Der VR6 aus MJ 1995 profitierte von allen vorherigen Weiterentwicklungen:

• Ausgereiftes PLUSFahrwerk

• Robusteres Vorderachskonzept mit dem VR6Querträger

• Optimierte Innenraumergonomie

• Verbesserte Elektrik und Lüftungsbedienung

• Serienmäßiges EDS (elektronisches Sperrdifferenzial) für bessere Traktion

• Weiterentwickelte Front- und Heckoptik (Facelift ab MJ 1992)

Somit war der VR6 im Jahr 1995 ein technisch ausgereifter Sportwagen, der seine Konkurrenten oft übertraf und VWtypische Alltagstauglichkeit mit echter Performance verband.

Fahrverhalten und Charakter: Ein Sportcoupé mit Kultfaktor

Der Corrado VR6 wurde häufig gelobt für:

• Sein agiles, neutral bis leicht übersteuerndes Handling

• Den druckvollen und seidigen VR6-Motor, der einmalig klang

• Die solide und hochwertige Fertigung durch Karmann

• Die ausgewogene Balance zwischen Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit

In Tests seiner Zeit wurde der VR6 oft als einer der besten Fronttriebler am Markt bezeichnet ; auch wegen seiner hohen Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten, wozu auch der automatisch ausfahrende Heckspoiler beitrug.

Produktionsende 1995: Ein Sportwagen mit kurzer, aber glänzender Karriere

Am 6. Juli 1995 endete die Produktion des Corrado offiziell. Gründe waren u. a.:

• Hohe Produktionskosten durch die Fertigung bei Karmann

• Zu hohe Positionierung im Vergleich zur VWKernklientel

• Ein Markt, der zunehmend größere und praktischere Fahrzeuge bevorzugte

Der Corrado war nie ein Massenprodukt ; aber genau das macht ihn heute zu einem gefragten Klassiker, insbesondere als VR6Modell.

Fazit

Der VW Corrado VR6 (Modelljahr 1995) stellt die Krönung der gesamten Modellreihe dar : technisch ausgereift, optisch markant und mit einem Motor ausgestattet, der bis heute als einer der charakterstärksten in der VWGeschichte gilt.

Entstanden in Handarbeit bei Karmann, war er eher ein Statement als ein Volumenmodell ; ein Sportcoupé, das seiner Zeit voraus war und auch heute noch eine treue Fangemeinde besitzt.